Von den Anfängen bis heute – 1988

Die Stimmung im Saal bei Artkamp-Möllers hatte längst ihren Siedepunkt erreicht, als Prinz Pico I. von Wursterei und Ratspartei und seine Prinzessin Helga am 30. Januar 1988 mit großem Gefolge und unter donnernden Beifall einmarschierten. Beim vorherigen Schützenfest hatte Wilfried „Pico“ Teubner noch versucht, sich auf den Thron der Bürgerschützen zu schießen. Als Kaiser wäre er gerne durchs Heidedorf marschiert. Nun führte er in der Session 1988 das Füchtorfer Narrenvolk an.

Die neue Tollität kam am Abend der Prinzenproklamation direkt von einer Nachbarschaftsfeier und brachte neben seiner Prinzessin Helga noch eine zweite Prinzessin mit: Pico´s Nichte Andrea Kaiser regierte in Leipzig das Narrenvolk. Sie kam in die Bundesrepublik, um einen Geburtstag mitzufeiern und stand unversehens selbst bei der Füchtorfer Karnevalsveranstaltung im Scheinwerferlicht.

Im Programm der Füchtorfer Narren standen zuvor zwei Themen besonders im Fokus: Der damalige Bürgermeister August Budde und sein Stadtdirektor Heinz Schwienheer weihten am Tag der Prinzenproklamation Müselers Mühle in Sassenberg ein. Aufgrund der 1,2 Millionen DM-Last mussten sie einige Witze über sich ergehen lassen und bekamen von Prinz Pico als Verdienst einen Mühlensteinorden verliehen. Das zweite große Thema war der Bau der Umgehungsstraße B 475. Prinz Pico veranlasste dazu in seiner Prinzenrede, die Erdmassen auf einen Haufen kippen zu lassen. Bei genügend Schnee könne auf diesem Hügel dann Wintersport betrieben werden. Das dürfte Füchtorf als Urlaubsort noch attraktiver machen. Außerdem könnten dann die „Querulanten“ unter seinen damaligen Ratskollegen den „Füchtorfer Buckel“ runterrutschen. Was er zusätzlich aufgrund des Baus der Umgehungsstraße als prinzlichen Paragrafen verlauten ließ zeigen wir euch in unserer Zeitreise des Füchtorfer Karnevals, welche wir kommenden Samstag auf unserer Homepage veröffentlichen werden.

Bei der Recherche zur Session 1988 ist uns noch ein Fundstück „in die Finger gekommen“, welches wir euch nicht vorenthalten möchten. Das Finanzamt Warendorf gab über die Lokalpresse Tipps zur Geltendmachung von Aufwendungen für die Beherbergung und Beköstigung von nahen Angehörigen aus der DDR. Wie viele Füchtorfer Narren von dieser Regelung Gebrauch machen konnten, ist uns allerdings nicht überliefert.