Närrisches Jubiläum

Am Samstag ist es soweit und Prinz Christian muss die Prinzenwürde des Karneval Füchtorfer Vereine in die Hände seines Nachfolgers legen. Um 22:33 Uhr erwarten die Füchtorfer Narren die neue Tollität, dessen Name bis dahin streng gehütet wird. Einer der das Geheimnis bereits kennt ist ein stiller und treuer Begleiter, der bereits seit vielen Jahren das Prinzenpaar im Karneval begleitet und sicherlich viel zu erzählen hätte – wenn er denn könnte. 

Die Rede ist vom Füchtorfer Narrenzepter Karlchen, das in diesem Jahr seinen 33. Geburtstag feiert. Moment mal, der Füchtorfer Karneval geht doch in diesem Jahr in die 37. Session, oder? „Wir haben klein angefangen und als erster Prinz hatte ich nur einen Umhang und ein einfaches Holzzepter“, erinnert sich Karl Schlingmann, der als Kalli I. „von Mäh und Drescher“ 1981 den Reigen der Füchtorfer Narrenhäupter eröffnete. Wurde im ersten Jahr noch die Prinzenrede in einer Nacht- und Nebelaktion vor der PriPro erstellt, so wurde der Karneval in den folgenden Jahren immer professioneller und die Ausstattung der Regenten aufgestockt. Im Jahr 1985 wunderte sich der Holzfreund Paul Hoppe über das spärliche Narrenzepter seines Schwagers, seines Zeichen Prinz Lucky I „von Karosse für Rosse“. Mit viel Liebe zum Detail machte er sich daran ein hölzernes Konterfei zu schnitzen, das sodann von Prinz zu Prinz weitergereicht wurde und in den vielen fünften Jahreszeiten ebenso viel erlebt hat. Über viele Jahre namenlos verbrachte das Narrenzepter die meiste Zeit seines aktiven Lebens in den Händen der jeweiligen Tollität bzw. im Wohnzimmer der Festwirtin Christa Artkamp. Wenn es brenzlig wird wissen die Prinzen, dass Ihr Narrenzepter bei Christa sicher aufgehoben ist und in dem einen oder anderen Jahr wurde diese Heimstatt auch für längere Zeit in Anspruch genommen. 

Gut zu wissen, wo sich das Karlchen befindet wenn der Prinz zu seinem nächsten Auftritt los eilen muss. Etwas länger suchen musste seinerzeit Prinz Picco I. „von Wursterei und Ratspartei“ (1988). „Mit Narren macht man sich einen Spaß“, dachte sich sein Schwiegervater und versteckte das Zepter kurzerhand in der Gefriertruhe. Nach einigem Suchen ward er aber wieder gefunden. Der Prinz schweißgebadet, das Karlchen durchgefroren. Zeitzeugen zufolge hat das Narrenzepter auch erst seitdem seine markante rote Nase. Ähnliche Geschichten ranken sich um andere Details des Narrenzepters. So gab es den ein oder anderen Sturz, der auch schon mal eine kosmetische Nasen-Operation zur Folge hatte und die roten Wangen resultieren der Sage nach aus der Sommerpause 2003, die es bei Prinz Franjo I. im Schlafzimmer verbrachte. 

Regelmäßig kümmerte sich die Frau des Ehrenvorsitzenden Josef Lütke-Wienker, Prinzessin Mathilde, darum, dass Karlchens Manschette frisch gewaschen und gestärkt in die neue Session starten kann. Im Jahr 2009 gönnte Prinz Hubert I. „von Holzreport und Wassersport“ dem Narrenzepter eine Frischzellenkur mit Ganzkörperpeeling und einer neuen Lasur. Längst hatte das Zepter eine feste Position im Füchtorfer Karneval eingenommen, war aber noch immer namenlos. Bei der Suche nach einem Namen waren sich die Narren schnell einig und tauften es schließlich auf den Namen „Karlchen“ – zu Ehren des ersten Prinzen des KFV. Fortan wird die Session traditionell mit dem „Karlchen-Wecken“ gestartet, einem zärtlichen Kuss der Prinzessin, der das Zepter aus der Sommerpause lockt. Diese verbringt Karlchen im Übrigen seit vielen Jahren nicht mehr beim Prinzen, sondern in einer eigens für ihn gefertigten Vitrine im Narrenhauptquartier Artkamp-Möllers. Von hier aus hat er das Geschehen im Dorf dauerhaft im Blick und kann frühzeitig ein Auge auf seinen neuen Herrn werfen. Am 13. Februar beim traditionellen Fischessen der Karnevalisten wird Karlchen sein Sommerquartier wieder beziehen. Zuvor stehen den Narren aber noch viele tolle Tage vor der Tür – und weiterhin auch die Frage, wer das Karlchen durch diese Session tragen wird.